Es ist nicht die erste Präsentation der berühmten sechzig-teiligen Serie des Bildjournalisten, Autors, Redakteurs, Zeichners und Aktivisten Gerhard Kromschröder. Bereits vor mehr als zwanzig Jahren (2005) zeigte das Emslandmuseum Schloss Clemenswerth die Werkreihe, 2017 wurde sie dann noch einmal im Sögeler Ludmillenhof ausgestellt.
Warum lohnt es sich knapp zehn Jahre nach der letzten Präsentation und gut zwanzig Jahre nach der Premiere einen neun Blick auf das Frühwerk des Bildjournalisten zu werfen?
Ein wichtiger Grund für uns ist das Jubiläum des Emslandplanes, das in diesem Frühjahr seinen Abschluss findet. Die umfassende Serie markiert die DNA der Region. Sie dokumentiert über den Zeitraum von 1963 bis 1967 was geht, was bleibt, was sich verändert hat und das, was sich noch verändern wird.
Die Fotografien sind mehr im Selbstauftrag als im Rahmen seiner redaktionellen Tätigkeit entstanden. Die Blickwinkel aus denen Kromschröder seine Sujets und Objekte betrachtet, sind rein subjektiv gewählt, zeugen von Neugier, von politischem Engagement und einer leichten Verliebtheit in eine Region, die ihm fremd und vertraut zugleich war und noch immer ist.
Der Titel der Serie Schwarz-Weiß ist nicht allein auf die verwendete Bildtechnik anzuwenden, sondern in besonderer Weise auf das, was sie zeigt. Die dunklen Seiten der Region, über die man in den 1960er-Jahren lieber schweigen wollte als sie ans Licht zu holen, wie die Emslandlager, die Zerstörung der Gemeinde Wahn durch das NS-Regime und die Errichtung eines Schießplatzes, der bis heute der größte in Europa ist. Dagegen wirken die Bilder der Ems, mit gespiegelten Wolken im Fluss, dem Nebel über dem Börgerwald wie eine Hommage an die Region. Kromschröder zeigt das Emsland mit seinem eigenen Charme, mal spröde und trocken und mal hell und idyllisch wie die alte Wassermühle in Brunefort.
Die neue Sichtung und Präsentation der Serie gibt uns Anlass darüber nachzudenken, wie diese ikonischen Bilder in den nationalen und internationalen Kontext einzuordnen sind. Das, was vor zehn Jahren noch als reine Dokumentation verstanden wurde – vermittelt heute die persönliche Sichtweise eines Bildautors, der in diesem Jahr seinen 85. Geburtstag feiert. Sie zeigen eine innere Haltung und damit eine neue Qualität, die Ende der 1960er-Jahre dazu führte, dass das Medium Fotografie seine ersten Auftritte in Kunstmuseen hatte. Und Emsland Schwarz–Weiss gibt uns Anlass die Landschaft und das Handeln darin zu reflektieren.
Die Ausstellung ist zusammen mit dem Emsländischen Heimatbund entstanden und bildet den Auftakt einer losen Reihe, in der Fotografinnen und Fotografen retrospektiv gezeigt werden oder zukünftig eingeladen werden, um neue Bilder von der sich noch immer im Wandel befindlichen emsländischen Landschaft zu entwickeln.
Eröffnung der Ausstellung: Freitag, 20. März, 18 Uhr
Laufzeit: 21. März – 7. Juni 2026
Öffnungszeiten und Begleitprogramm
Di - So 11 – 17 Uhr
und nach Voranmeldung
Freitag, 20. März | 18 Uhr
Eröffnung mit Landrat Marc-André Burgdorf und Museumsdirektorin Dr. Christiane Kuhlmann
Sonntag, 22. März | 12 Uhr
Künstlergespräch und Rundgang durch die Ausstellung mit Gerhard Kromschröder
Donnerstag, 7. Mai | 18 Uhr
„Kromschröder und die Anderen“
Ein Gespräch mit Christiane Kuhlmann über die Einordnung des Fotografen in die Zeit der 1960er-Jahre
Fototreffpunkte - Auf Kromos Spuren.
In der kleinen Reihe werden Orte aufgesucht, die Kromschröder in den 1960er-Jahren besucht und fotografiert hat. Die Frage ist, wie schauen wir heute auf diese Standorte, was sagen sie uns und wie würden wir sie fotografieren.
So 22. März, 15 Uhr Schloss Clemenswerth
So 19. April, 15 Uhr Erinnerungsort Wahn
So 3. Mai, 15 Uhr Carl-von Ossietzky-Gedenkstein, Esterwegen
So 7. Juni, 15 Uhr Ems bei Herbrum
Anmeldung und weitere Informationen
Tel.: +49 5952 / 93 25 25
schloss@clemenswerth.de